Geschichte und Kultur
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Diskussion über die jüdischen Hoffaktoren im Modernisierungsprozess
Von:  Arkadij Resnik <arkadij@g...>
Datum:  So 4, Okt 1998  13:46
Betreff:  Re: Geschichte-Juden, Hofjuden
Vielen Dank fuer die differenzierte Antwort die ich sehr interessant finde. Mir ist aber nicht klar worin Sie die Zaesur in der Entwicklung der Hofjudenschaft in der Mitte des 18. Jh. sehen, die auf einen Mentalitaetswandel in Annaeherung an die christliche Gesellschaft deuten soll. Ueberhaupt habe ich den Eindruck dass Sie eigentlich Prozesse beschreiben, die auf die ganze juedische Gesellschaft zutrafen und nicht nur auf die Hofjuden. Auch aeusserliche Anpassung und sogar Uebertritt zur christlichen Religion wurden auch in anderen Teilen der juedischen Gesellschaft vollzogen. Hier wird den Hofjuden eine Vorreiter-Rolle zugeteilt die sie vielleicht doch nicht hatten.
 
Auffaellig finde ich die Forschungsfrage "ob nicht doch integrative Bewegungen entstanden." Das ist nach meiner Meinung eine Fehlinterpretation der Bedingungen von juedischer Existenz in der christlich dominierten feudal-staendischen Gesellschaft des absolutistischen Regimes. Ich bestreite nicht dass sich Mentalitaeten gewandelt haben und dass es aeusserliche Anpassungen in Sachen der Lebensform gegeben hat, auch relativ engen sozialen Umgang mit Christen, aber eine Integration von Juden in die christlich-buergerliche Gesellschaft oder die Adelsgesellschaft KONNTE es nicht geben! Die Hofjuden waren funktional in das System eingepasst, aber nicht sozial integriert, das ist ein grosser Unterschied. Integration gab es nur durch Konversion. Die Konversion bedeutete aber die Integration eines Individuums, das kein Jude mehr war.

Mit freundlichen Gruessen

Arkadij Resnik